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Kopf an Kopf beim Pogo-Tanzen zusammengestoßen! So sollen sich der Antialkoholiker und Vegetarier Jan Vetter und Heavy-Metal-, Tatoo- und Horrorfan Dirk Felsenheimer 1981 kennengelernt haben. Zwei Typen, die verschiedener nicht sein konnten. Nach ersten gemeinsamen Banderfahreungen mit „Soilent Grün“ gründeten sie als Farin Urlaub und Bela B. 1983 „Die Ärzte“, damals noch mit Hans Runge alias „Sahnie“ am Bass. Farin: „Uns hat’s so leid getan, dass unter dem Buchstaben Ä nie eine Platte im Laden zu finden war. ‚Ärsche‘, ‚Ätztussis‘ und ‚Ärzte‘ standen zur Auswahl, wir haben uns leider für den blödesten entschieden.“

Nach ein paar Indie-EPs und Singles und dem Low-Budget-Film „Richy Guitar“ kamen „Debil“ und „Im Schatten der Ärzte“ heraus. Die Medien wurden aufmerksam, durch Lieder wie „Zu spät“ oder „Du willst mich küssen“ wurden „Die Ärzte“ bekannt.

Nach vier Jahren flog Sahnie wegen Starallüren aus der Band. Angeblich soll er sich mit 10.000 DM Abfindung zufrieden gegeben haben, nachdem er den Marktwert der „Ärzte“ überschlagen hatte. Als neuer Bassist kam Hagen Liebing alias „The Incredible Hagen“ zu den „Ärzten“.

1986 kamen die Songs „Geschwisterliebe“, „Claudia hat ‚nen Schäferhund“ und das „Schlaflied“ auf den Index und durften nicht mehr an Minderjährige verkauft werden. Farin: „Plötzlich waren wir ‚ne schmutzige Band, die Leute, vor denen uns unsere Eltern immer gewarnt hatten.“ Bela: „Ich fand das eigentlich cool. Ich fand eh, dass ‚Die Ärzte‘ immer zu brav waren.“ Imageverluste, Auftrittsverbote und Verkaufseinbußen waren dann allerdings doch nicht mehr so „cool“, andererseits wuchs der Bekanntheitsgrad enorm. Aus Trotz wurde „Ab 18″ veröffentlicht, ein Album mit alten und neuen skandalträchtigen Liedern (wurde natürlich auch indiziert…).

Im Jahr danach mangelte es zum ersten Mal an Ideen für neue Songs. Farin und Bela entschieden sich im Augenblick des bis dahin größten Erfolges zur Auflösung der „Besten Band der Welt“. „Westerland“, das Album „Das ist nicht die ganze Wahrheit“ und die ’88er-Tournee mit dem Abschiedskonzert auf Sylt sorgten für einen grandiosen Abschied. „Live – Nach uns die Sintflut“ kam als erstes Album der Band auf Platz 1 der deutschen Charts.

Sozusagen posthum erschien „Die Ärzte früher“ mit diversen Stücken der Indie-Platten von 1982-1983. Farin und Bela machten getrennt und recht erfolglos mit „King Kong“ und „Depp Jones“ Metal- und Hardrockmusik mit englischen Texten.

1993 konnte Farin Bela dann doch zur Wiedervereinigung von „Die Ärzte“ überreden. Als neuer Bassist griff von nun an Rodrigo Gonzalez in die Saiten, mit dem Bela bereits zusammen bei „Depp Jones“ gespielt hatte. Die erste Single „Schrei nach Liebe“ und das Album „Die Bestie in Menschengestalt“ erreichten schnell Platinstatus. Mit dem Best-of-Album „Das Beste von kurz nach früher bis jetze“ wurden auch die letzten Fans wieder aus der Reserve gelockt. Das folgende album „Planet Punk“ setzte den Siegeszug fort, der auch durch das leicht gefloppte Konzeptalbum über Haare „Le Frisur“ nicht wirklich gebremst werden konnte.

Einen absoluten Höhepunkt erreichten sie 1998, als „Männer sind Schweine“ in die Charts kam und sich wochenlang auf Platz 1 hielt. Das folgende Album „13“ hatte die gleiche Klasse und den gleichen Erfolg. Plötzlich waren „Die Ärzte“ von Kultstars zu Superstars mutiert.

Eine lange Pause folgte, ein neues Live-Album erschien, bis die Jungs erst 2000 wieder von sich hören ließen. „Runter mit den Spendierhosen, Unsichtbarer!“ zeigte, dass „Die Ärzte“ zwar immer noch gute Musik machen konnten, aber offensichtlich nichts umwerfend neues mehr. Außerdem spürte man deutlich wie nie den Unterschied zwischen „Bela- und Farin-Liedern“, gemeinsame Songs wie früher suchte man vergebens. Erste Krisen zwischen den Dreien und erneute Trennungsgedanken kamen auf. Doch auch diese Phase ging glücklicherweise vorüber und mit der Arbeit am zweiten „Bullenstaat“-Fan-Album fanden Farin, Bela und Rod endlich zum gemeinsamen Spaß zurück.

2002 beeindruckten „Die Ärzte“ mit dem fantastischen MTV-Unplugged-Konzert „Rock’n’Roll Realschule“, wo sie alte Klassiker mit einem Hamburger Schulorchester und Chor akustisch völlig neuen Sound einhauchten. Und auch mit dem folgenden Doppel-CD-Album „Geräusch“ konnten „Die Ärzte“ wieder allen zeigen, dass eine Band mit den Jahren immer besser werden kann. Musikalisch und inhaltlich war die CD eine echte Meisterleistung und auch der Zusammenhalt in der Band schien wieder richtig zu funktionieren.

Doch nach diesem Höhepunkt wurde es erst einmal wieder ruhig um die „Beste Band der Welt“. Farin verreiste lange, Bela fing wie Farin zuvor ebenfalls nebenbei eine Solokarriere an und auch Rod widmete sich vielen anderen Aktivitäten. Als dann auch noch ein „Bäst of“ herauskam ohne neue Songs, war für viele ein erneutes Ende der Band in Sicht.

Doch mit einem grandiosen Silvesterkonzert 2006 meldete sich die Band zurück, um 2008 mit „Jazz ist anders“ wieder komplett neu durchzustarten. „Die Ärzte“ waren wieder da!

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