Das Warten hat ein Ende, endlich ein neues Album von Die Ärzte! Die Songs der EP „zeiDverschwÄndung“ und des Albums „auch“ klingen zum einen bekannt und doch originell neu, allerdings findet man wenige Songs mit absolutem Hitcharakter und die typischen Liebesballaden weichen doch eher menschenfeindlichen Texten. Trotzdem bietet die CD genug Rock und Fun, um Ärzte-Fans glücklich machen zu können. Es ist also Zeit, sich den Songs mal im Einzelnen zu widmen:

1. Ist das noch Punkrock?
Toller Einstieg, eingängiger Farin-Sound mit Ohrwurmcharakter, lustiger Text, der sich einer Frage widmet, die auf die Beste Band der Welt bezogen immer gerne diskutiert wird. Eins der Highlights!

2. Bettmagnet
Typischer Bela-Song, aber mit dem Thema „Fernseher am Bett“ nicht unbedingt ein Reißer und musikalisch zwar auch eingängig, aber insgesamt doch eher Mittelmaß. Wobei der Einsatz einer weiblichen Stimme in Ärzte-Songs auch eine gewisse Abwechslung bietet.

3. Sohn der Leere
Ungewöhnlich viele Songs hat Rod dieses Mal beigesteuert, dieses Rockstück erinnert ein wenig an „Geisterhaus“, kann aber mit interessantem Text überzeugen.

4. TCR
Seltsamer Anfang beim nächsten Farin-Song, der sich im weiteren Verlauf zu einem echten Spaßsong entwickelt und auch live zum Hüpfen und Johlen animieren dürfte. Denn wir sind doch alle dankbar, dass sich Die Ärzte weiterhin um den Rock kümmern, oder?

5. Das darfst du
Bela nimmt sich mal wieder den Leuten an, die sich zu sehr scheuen, ihre Meinung zu äußern und mal aus dem eigenen Schatten zu treten. Gute Aussage, vermutlich einer der besseren Bela-Songs vom Album.

6. Tamagotchi
Rod holt in einem wunderbar skurillen Song die (zum Glück) längst vergessenen Tamagotchis aus der Versenkung. Wie schon „Niedliches Liebeslied“ ein herrlich verrücktes Stück.

7. M&F
Bei Auskopplung eine garantierte Erfolgssingle! Farins Lied über Männer und Frauen kommt im bewährten Stil von „Männer sind Schweine“ und „Lasse redn“ daher und ist für mich das absolute Highlight der CD. Lustiger Text, abwechslungsreicher Stil, ein Song, wie ihn nur Farin Urlaub schreiben und komponieren kann!

8. Freundschaft ist Kunst
Keine Ahnung, welche Aussage Bela hier vermitteln will, aber dieser Song ist für mich der enttäuschendste des Albums. Weder Musik noch Text zeichnen sich durch übermäßige Originalität aus.

9. Angekumpelt
Aber gleich wieder ein grandioses Stück von Rod, sein bestes Stück auf dem Album! Es erinnert ein wenig an „Ohne dich“ oder „Backpfeifengesicht“, doch selten wurde Ablehnung so fröhlich und eingängig rübergebracht. Man fragt sich, wer Rod so blöd angekumpelt hat, um dieses Lied zu verdienen. Aber davon gerne mehr, Rod!

10. Waldspaziergang mit Folgen
Ich weiß nicht, ob ich das Lied mag oder nicht. Eigentlich für mich das schwächste Lied von Farin auf dem Album, allerdings habe ich schockierenderweise festgestellt, dass sich gerade dieser Song als Ohrwurm bei mir festgesetzt hat. Muss man wohl öfter hören, um ihn wirklich zu mögen. Inhaltlich könnte man Kritik an übermäßiger Religionsabhängigkeit vermuten, vielleicht ist das aber schon deutlich zu viel interpretiert.

11. Fiasko
Auch ein Song, der erst bei mehrmaligem Hören seine wahre Qualität entfaltet, aber sind wir mal ehrlich, wir alle haben dieses Fiasko schon erlebt, oder? Wem haben nicht schon die Worte gefehlt, wenn man dem Objekt seiner Liebe gegenüber steht? Und immerhin mal etwas mehr Rock auf der insgesamt relativ ruhigen CD.

12. Miststück
Und wieder Bela, nett, absolut in Ordnung, aber eben kein Highlight. Ich mag allerdings Lieder, die sich trotz aller Kritik am ehemaligen Partner als verstecktes Liebeslied entpuppen. Vermutlich kennt jeder Verlassene den schmalen Grad zwischen Miststück und Objekt der Sehnsucht.

13. Das finde ich gut
Ein solides Stück von Rod, kein Überflieger, aber trotzdem gelungen. Ein Song, der den Tod viel einfacher erscheinen lässt, als man sich selber einredet.

14. Cpt. Metal
Farin rockt wieder auf dem schmalen Grad zwischen Genialität und Schwachsinn. Der Song bietet großartige Riffs und Gitarrensoli, aber inhaltlich schrammt er doch sehr nah am Rohrkrepierer vorbei. Nachvollziehbar, warum dieser alte Song von Farin ein paar Anläufe brauchte, um es auf ein Album zu schaffen.

15. Die Hard
Und noch mal Rod! Musikalisch sehr gelungen, aber mir persönlich inhaltlich etwas zu böse, es fehlt etwas der humorvolle Anteil wie bei „Angekumpelt“.

16. zeiDverschwÄndung
Belas für die Band sehr untypische Nummer war sicher nicht unbedingt eine gelungene Wahl für die erste Singleauskopplung, doch einen Ohrwurmcharakter kann man dem Song nicht abschreiben. Und wenn wir Ärzte-Fans ehrlich sind, haben wir diesen Song echt verdient, oder? Vermutlich nicht jedermans Sache, aber doch erfrischend anders.


1. zeiDverschwÄndung
(siehe oben)

2. Mutig
Ein typischer Rocksong von Farin, der sich problemlos in die Reihe von „Hart“ und „Gefährlich“ einfügt. Wer Farin mag, wird hier nichts auszusetzen können, aber unterm Strich nichts wirklich Neues.

3. Quadrophenia
Super, ein kleines Meisterwerk von Rod, nicht nachvollziehbar, warum der Song es nicht auf das Album geschafft hat. Musikalisch abwechslungsreich und originell abgemischt, die Text ist nicht nur eine Hommage an die 60er, er prangert auch gekonnt an, wie sich heute nicht nur die Musik, sondern eigentlich alles zu Einheitsbrei entwickelt hat. Noch mal Gratulation an Rod, der sich dieses Mal mit ein paar wirklich tollen Songs hervorgetan hat.

4. Will dich zurück
Zum Abschluss noch ein Song von Bela, wieder ok, aber mehr nicht. Kann man gut hören, aber prägt sich nicht wirklich ein. Eine solide B-Seite eben.